Kay & Evi Barton: „Es geht nicht um Content, sondern um Verbindung“
Artist- & Team-Interview
Der Name Kay Barton dürfte einigen im Umfeld von Rave The Planet bereits begegnet sein. Seit 2025 unterstützt der in Wien lebende Künstler, Journalist, Radiohost und Veranstalter das Team ehrenamtlich als Online-Redakteur, unter anderem mit Interviews und redaktionellen Beiträgen rund um elektronische Musikkultur.
Doch Kays Arbeit in der Szene reicht deutlich weiter zurück. Gemeinsam mit seiner Partnerin Evi a.k.a. Dr. Eva Barton betreibt er die Eventmarke TRENDWÆNDE, mit der das Duo in Wien und Berlin Veranstaltungen jenseits des Mainstreams realisiert. Ihr Fokus: internationaler Techno und House, kultureller Austausch und neue Impulse für die lokale Clubszene.
Mit CONNÆKT haben sie dafür ein eigenes Format entwickelt. Mit der Reihe bringen sie internationale und lokalen Artists in bewusst intimeren Clubnächten zusammen, häufig ergänzt durch Rahmenprogramme wie Masterclasses und Workshops beispielsweise zu Musikproduktion und Live-Performance. Die Idee dahinter ist, Wissenstransfer, Community und Clubkultur an einem Ort zu bündeln. Am 14. März 2026 geht das Format im FLUCC in Wien in die zweite Runde. (Mehr dazu)
Wir haben mit Kay und Evi über ihre Motivation, ihre Arbeit mit TRENDWÆNDE, die Idee hinter CONNÆKT und ihr Engagement bei Rave The Planet gesprochen.
„Ja, gut, dann machen wir das selbst.“
RTP: Ihr seid als Deutsche nach Wien gekommen, in eine Szene mit einer klar eigenen Identität. Wie war das für euch?
Kay Barton: Am Anfang habe ich diesen Unterschied gar nicht so bewusst wahrgenommen. Der Einstieg war für mich erstmal ziemlich unkompliziert. Unsere Nachbarinnen waren selbst viel in der Szene unterwegs, haben uns mitgenommen, und so ergab eins das andere. Über deren Umfeld kam schnell der Kontakt zu Bars, Clubs und Booker:innen zustande. Ich habe schon nach wenigen Wochen in Wien aufgelegt.
Später haben wir aber gemerkt, dass uns musikalisch oft etwas fehlt. Vieles war uns zu hart, zu schnell oder entsprach einfach nicht dem, was wir selbst gerne hören wollten. Daraus entstand irgendwann ganz pragmatisch die Idee: Wenn wir diese Art von Veranstaltung nicht finden, dann machen wir sie eben selbst.
RTP: „Erstmal unkompliziert“ klingt so, als hätte es später doch Herausforderungen gegeben.
Kay: Es ging weniger darum, sich einen Platz in der Szene zu verdienen. Eher darum, dass wir musikalisch oft nicht genau das gefunden haben, was wir selbst gerne hören wollten. Wenn wir privat ausgegangen sind, landeten wir selten auf Veranstaltungen, die uns vom musikalischen Konzept wirklich überzeugt haben.
Evi Barton: Es war oft sehr hart und sehr schnell.
Kay: Genau. Und ich hatte eigentlich schon viele Jahre vorher Veranstaltungen organisiert – in den 2000ern und 2010ern. Ich wollte das ehrlich gesagt eigentlich nie wieder machen. Aber irgendwann haben wir dann beschlossen, wir müssen doch noch mal eine Veranstaltung machen, damit wir einfach die Musik im Club hören können, die wir mögen. Ohne dass es da schon absehbar war, dass das ein Dauerding wird.

RTP: Eure erste Veranstaltung fand dann im Sass Club statt. Wie kam es dazu?
Kay: Offiziell sah es aus wie unsere erste Veranstaltung, in Wirklichkeit war es Evis Geburtstagsfeier. Wir hatten ohnehin Kontakt zum Sass und haben gefragt, ob wir das dort machen können.
Evi: Ein Rave zum Runden.
Kay: Es sollte auch gar keine exklusive Veranstaltung sein. Der Club fasst etwa 200 bis 250 Leute, also war klar: Unsere Freunde und Freundesfreunde kommen und alle anderen, die Lust haben, auch. Daraus wurde dann quasi die erste TRENDWÆNDE-Nacht.
RTP: Welche Herausforderungen habt ihr bei den ersten Veranstaltungen erlebt?
Kay: Die Planbarkeit. In Wien gibt es viele Faktoren, die man nicht wirklich kontrollieren kann. Wenn es draußen zwei Grad wärmer ist, sitzen die Leute vielleicht länger an der Donau und gehen gar nicht mehr weg. Ich habe manchmal den Eindruck, dass sich viele Gäste nicht so gern festlegen. Das hat aber nicht unbedingt mit dem Inhalt einer Veranstaltung zu tun, das betrifft viele Veranstalter:innen.
Evi: Uns wurde am Anfang auch gesagt, dass Headliner in Wien nicht unbedingt ziehen.
Kay: Oft funktioniert es eher über einen bestimmten Sound oder eine Reihe. Die Leute kommen dann wegen der musikalischen Ausrichtung, und nicht wegen einzelner Artists.
RTP: Also eher eine starke Brand statt einzelner Headliner?
Kay: Genau, ja.
Evi: Ein weiterer Punkt ist, dass Clubs hier oft extrem lange im Voraus ausgebucht sind. Es gibt nicht viele Venues und viele davon sind ein Jahr im Voraus voll. Das macht Planung schwierig.
Kay: Wir hatten schon Situationen, in denen Artists verfügbar gewesen wären, aber kein Club. Oder man fragt im März für das nächste Jahr an, und alles ist schon ausgebucht.
Evi: Und die Venue muss natürlich auch passen. Sie soll nicht zu groß sein, damit die Leute sich nicht verlieren. Wir wollen, dass es eher intim bleibt.
RTP: Gab es Momente, in denen ihr ernsthaft überlegt habt aufzuhören?
Kay: Nach einer unserer frühen Partys hatten wir schon Zweifel. Wir hatten gute Artists gebucht, aber mehrere Dinge kamen zusammen: Das Champions-League-Finale lief gleichzeitig, der Club war neu und noch nicht etabliert, und das Event begann relativ früh.
Evi: Um 21:00 Uhr hat die Party angefangen. Es war kein richtiger Dayclub, aber auch kein richtiger Nightclub.
Kay: Der Abend selbst war atmosphärisch schön, der Vibe hat gestimmt. Aber wirtschaftlich war es natürlich schwierig.
Evi: Aber die Leute, die da waren, die wollten bleiben. Die mussten wir am Ende fast rausgeschmissen.

Von Heidelberg nach Wien: Warum ein Neuanfang in einer neuen Szene?
RTP: Kay, du hast als Veranstalter in Wien neu gestartet, aber grundsätzlich bist du ja kein Newcomer. Du hast auch im Rahmen großer Events gespielt, Loveparade, Street Parade und einigen anderen. Hat sich Wien für dich trotzdem wie ein Neuanfang angefühlt?
Kay: Ja, in gewisser Weise schon. Ich habe etwa 20 Jahre in Heidelberg gelebt. Die Zeit dort war sehr prägend, aber musikalisch hat sich vieles eher außerhalb der Stadt abgespielt. Wenn wir feiern gehen wollten, sind wir oft nach Frankfurt, Darmstadt oder Mainz gefahren, ins Omen, ins U60311 oder in andere Clubs. Heidelberg selbst hatte für elektronische Musik, bis auf die Halle_02 und Villa Nachttanz, nicht so viele Möglichkeiten. Deshalb sind wir oft rausgefahren, so auch nach Berlin und zur Loveparade.
Ich habe in Heidelberg auch eigene Veranstaltungen gemacht – zum Beispiel eine Reihe namens „The Place To Be“, zusammen mit zwei Freunden. Das waren, neben Indoor-Events, vor allem illegale Open-Air-Partys im Wald. Die wurden über die Jahre immer größer, und irgendwann haben wir gemerkt: Wenn hier etwas passiert, wird es kompliziert. Also haben wir dann irgendwann damit aufgehört.

RTP: Und irgendwann kam dann der Umzug nach Wien.
Kay: Ja, wir hatten schon lange die Idee, einmal in einer anderen Stadt zu leben. Wien war für mich schon früh ein Ort, der mir einfach gefallen hat. Ich habe hier sogar meinen 30. Geburtstag gefeiert.
Aus dieser Idee wurde irgendwann Realität, auch wenn es tatsächlich noch etwa zehn Jahre gedauert hat, bis wir wirklich umgezogen sind.
RTP: Evi, wie war das für dich?
Evi: Es hat meinetwegen etwas länger gedauert, weil ich erst meine Ausbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie abschließen und noch Verpflichtungen erfüllen wollte. Danach sind wir nach Wien gezogen.
Mich hat vor allem interessiert, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen und in einer neuen Stadt zu leben, die kulturell sehr viel bietet, aber gleichzeitig relativ entspannt und entschleunigt ist.
Heidelberg ist wunderschön, besonders zum Studieren. Aber nach 20 Jahren war es für uns Zeit für eine Veränderung.
„Die Mischung aus Heidelberg und Berlin ergibt eigentlich Wien.“
RTP: Trotzdem klingt Wien erstmal nicht danach, als wäre das der nächste logische Schritt.
Evi: Also, es war natürlich der Gedanke: Berlin oder Wien. Letzten Endes hat dann Wien das Rennen gewonnen, weil wir auch die Natur lieben, den großstädtischen und gleichzeitig entspannten Vibe und die Berge drum herum. Die Stadt ist sehr entspannt, alles ist überschaubar und entschleunigt. Berlin war zu dem Zeitpunkt für uns erstmal noch zu groß. Von der Musik her hat es uns aber immer nach Berlin gezogen.
Kay: Berlin hat immer wahnsinnige Faszination auf mich ausgeübt und hat natürlich auch einen Platz in meinem Herzen seit vielen vielen Jahren. Aber es hatte schon noch irgendwie einen Grund, warum ich das nie so bis zu Ende gedacht habe und forciert habe, weil ich auch immer schon einen Riesenrespekt vor der Stadt gehabt habe. Und vor den Berliner Wintern.
Evi: Also ich würde sagen, die Mischung aus Heidelberg und Berlin gibt eigentlich Wien.
Kay: Berliner und Heidelberger werden denken, wir haben sie nicht mehr alle. (Beide lachen)
Frühe DJ-Karriere: Von DOS-Produktion zu Sunshine Live
RTP: Kay, du hast deine ersten Produktionsskills noch mit einfacher DOS-Software selbst gelernt, komplett DIY. War das für dich damals schon so eine Haltung im Sinne von: Ich baue mir lieber mein eigenes System, als auf bestehende Strukturen zu warten?
Kay: Nee, gar nicht. Am Anfang war das einfach nur Interesse daran, selbst etwas zu kreieren. Ich habe früher auch viel gezeichnet, aber irgendwann hat mich das Produzieren einfach mehr fasziniert.
Ich habe ständig neue Tracks gemacht, Titel geschrieben, ohne wirklich zu wissen, ob daraus irgendwann mal etwas werden könnte.
Dann kam Sunshine Live dazu. Das war 1997, als der Sender gestartet ist. Damals war dort alles noch sehr offen. Man konnte einfach mal im Studio stehen, was bei öffentlich-rechtlichen Sendern eher schwierig gewesen wäre.
Ich habe mich mit einigen der Moderatoren gut verstanden. Unter anderem habe ich im Sender auch Felix Kröcher kennengelernt. Die haben sogar gelegentlich Tracks von mir gespielt, so ganz spontan.

RTP: Wie kam es dazu? Bist du einfach hingegangen und hast deine CD abgegeben?
Kay: So ungefähr. Wir fanden den Sender damals spannend, weil er so einen Guerilla-Touch hatte. Vieles wirkte spontan und improvisiert. Ich habe dort einfach angerufen und gesagt, ich bin gerade in der Nähe – damals war der Sender noch in Schwetzingen – und würde gerne vorbeikommen. Dann bin ich mit einem Freund hingefahren.
Irgendwann war ich einfach öfter dort. Man kann sagen, ich wurde so eine Art Hausfreund. Wir sind zusammen auf Partys gegangen, haben uns ausgetauscht, und ich durfte im Studio auch auflegen. Die hatten dort ein zweites Studio mit Plattenspielern. Wenn es frei war, konnte ich dort üben. Und irgendwann haben sie mich sogar live on air auflegen lassen, obwohl ich eigentlich noch gar nicht richtig spielen konnte.
RTP: Also mehr kaltes Wasser geht kaum.
Kay: Ja, das war wirklich direkt ins kalte Wasser. Aber es hat mir auch viele Türen geöffnet. Über Sunshine Live habe ich viele Kontakte in die Szene bekommen. Zum Beispiel zu den Leuten von Toptrax. Das war das Label, was unter anderem die Sunshine-Live-Compilations gemacht hat.

Von Projektnamen zum Real Name
RTP: Früher hast du unter verschiedenen Projektnamen aufgelegt und veröffentlicht, zum Beispiel Bionic K oder Kay Piranha. Warum der Wechsel zum Real Name?
Kay: Das hatte viel mit meiner eigenen Entwicklung zu tun. Die früheren Projekte standen jeweils für bestimmte musikalische Phasen. Bionic K war eher kommerzieller, erst tranciger, dann irgendwann ziemlich harter Hard- und Jumpstyle-Sound. Mit Kay Piranha ging es dann schon stärker in andere Richtungen.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich musikalisch stärker auf das fokussieren möchte, was mich wirklich interessiert. Deshalb habe ich mich entschieden, unter meinem eigenen Namen zu arbeiten.
Das fiel auch zeitlich zusammen mit unserer Hochzeit. Ich habe damals den Nachnamen von Evi angenommen – und damit hat sich das alles ganz natürlich zusammengefügt.
Journalismus und internationale Arbeit
RTP: Neben Musik arbeitest du auch seit vielen Jahren als Journalist. Wie kam es dazu?
Kay Barton: Eigentlich über Umwege. Ich komme ursprünglich aus dem Marketing und habe lange in einer Agentur gearbeitet. Später bin ich in einen Fachverlag gewechselt. Dort habe ich zunächst im Marketing gearbeitet und bin später Redakteur geworden. Das Magazin hat mit Musik allerdings nichts zu tun. Es geht dort um die Kunststoffverpackungsindustrie.
RTP: Das klingt erstmal ziemlich weit weg von Clubkultur.
Kay Barton: Ja, voll. Aber interessant war vor allem die internationale Arbeit. Ich bin für Reportagen in viele Länder gereist und teilweise an Orte, an die man sonst wahrscheinlich nie kommen würde. Ich war zum Beispiel in Aserbaidschan, Armenien und in sehr abgelegenen Regionen Russlands unterwegs oder auch zig Mal in Indien und China und habe dort Unternehmen besucht, Interviews geführt und Marktanalysen geschrieben. Das war journalistisch spannend, weil man ständig mit neuen kulturellen Kontexten zu tun hatte.
RTP: Wenn man sich deinen Weg anschaut, von Musik über Journalismus bis zu Veranstaltungen, scheint es immer wieder um Begegnung zu gehen.
Kay: Ja, das stimmt. Begegnung und Austausch spielen für mich eine große Rolle. Neue Menschen, neue Perspektiven, neue Ideen. Und genau darum geht es letztlich auch bei Clubkultur.
Clubkultur – mehr als Party
RTP: Lasst uns über TRENDWÆNDE sprechen. Ihr positioniert euch bewusst etwas anders als viele andere Formate, musikalisch, aber auch in der Außenwirkung. Weniger „Chichi“, mehr Fokus auf Musik. Was war der Auslöser dafür?
Kay: TRENDWÆNDE ist unsere Host-Marke. Wir werden oft als Kollektiv bezeichnet, aber eigentlich sind wir keines. In Wien arbeiten viele Veranstalter:innen als Kollektive, also Gruppen aus mehreren Artists, Aktivist:innen und Veranstalter:innen. Bei uns sind es im Kern Evi und ich.
Die Idee war von Anfang an: gute Musik kuratieren, die uns selbst interessiert, und dafür einen Raum schaffen, der dazu passt. Dieser Raum soll nicht nur musikalisch funktionieren, sondern auch als Begegnungsraum. Ein Ort, an dem Gemeinschaft entsteht.
Evi: Aber auch ein Raum für die Begegnung mit sich selbst. Es geht darum, dass Musik wirklich in einem resonieren kann. Dass man nicht ständig fotografiert oder sich präsentiert, sondern einfach im Moment ist. Wenn der Fokus auf der Musik liegt, kann man sich selbst und andere ganz anders wahrnehmen. Das geht im Alltag oft verloren.
Kay: Dieses Ideal kommt ja nicht aus dem Nichts. Viele von uns haben solche Momente schon erlebt, zum Beispiel auf großen Raves früher oder bei besonderen Clubnächten. Wenn der Vibe stimmt, ist das etwas, das man schwer erklären kann, aber sofort spürt. Es geht dann nicht mehr nur um Musik als Unterhaltung, sondern um eine Erfahrung, die wirklich etwas verändern kann.
Clubkultur und mentale Gesundheit: Die Perspektive von Dr. Eva Barton

RTP: Evi, du bist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Was passiert psychologisch, wenn Menschen im Club wirklich präsent sind, ohne Ablenkung durch Social Media oder Selbstdarstellung?
Evi: Wenn der Fokus wirklich auf dem Erleben der Musik und dem Moment liegt, passiert etwas, das wir aus der Psychologie sehr gut kennen: Menschen kommen ins Hier und Jetzt und sind in Berührung mit sich selbst.
Im Alltag sind wir oft mit Gedanken beschäftigt: Sorgen, Leistungsdruck, Erwartungen. Im Club kann das für eine Zeit in den Hintergrund treten. Man spürt den Sound, man spürt sich selbst und man spürt die anderen Menschen im Raum. Das ist eigentlich die klassische Achtsamkeit. Es reduziert Stress und schafft Verbindung zu sich selbst und zu anderen.
RTP: Also eine Art kollektive Erfahrung?
Evi: Genau. Wenn ein ganzer Raum in einer gemeinsamen Energie ist, entsteht eine besondere Form von Verbundenheit und tiefer Erfahrung. Dieses Erleben ist sehr intensiv und kann tatsächlich nachhaltig wirken.
Eventkonzept CONNÆKT – Masterclass & Clubnacht
RTP: Mit CONNÆKT habt ihr bei TRENDWÆNDE ein neues Event-Format geschaffen. Was steckt dahinter?
Kay: CONNÆKT symbolisiert Verbindung und Synergie. Gemeint ist die Verbindung von internationalen Artists mit großartigen lokalen Künstler:innen und Gäst:innen. Aber uns war wichtig, dass Clubkultur nicht nur aus Partys besteht. Viele Menschen in unserer Szene interessieren sich auch für die kreativen Prozesse hinter der Musik. Deshalb verbinden wir auch häufig Masterclasses und Workshops, durchgeführt von unseren internationalen Artists und Partner:innen, mit anschließenden Clubnächten.
RTP: Warum war euch dieser Wissensaustausch wichtig?
Kay: Weil wir sehen, dass viele Gäste selbst kreativ arbeiten, als Produzent:innen, DJs oder in anderen künstlerischen Bereichen. Wenn ein internationaler Artist in der Stadt ist und etwas zu erzählen hat, dann ist es doch spannend, diesen Austausch möglich zu machen. Die Masterclass bietet die Gelegenheit, direkt Fragen zu stellen und Einblicke zu bekommen, die man sonst nicht bekommt.
Evi: Und weil wir die Masterclasses bewusst klein halten, entsteht auch persönlicher Austausch und direkte Interaktion. Danach geht das Ganze fast nahtlos in die Party über. Die Begegnung aus der Masterclass setzt sich im Club fort.
CONNÆKT am 14. März – erstmals Donation-based
RTP: Am 14. März 2026 findet die vierte Ausgabe von CONNÆKT statt – mit dem Künstler Works Of Intent aus UK. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Evi: Wir haben seine Musik zuerst über COD3 QR, das Label von Laurent Garnier und Oliver Way, entdeckt. Sein Sound ist sehr eigenständig, verspielt, detailreich und gleichzeitig sehr klar und präsent und zugleich zurückhaltend. Als wir ihn dann mal live gesehen haben, hat er uns noch mehr überzeugt. Uns war klar: Wenn wir ihn nach Wien holen, dann nicht nur für ein DJ-Set, sondern auch für eine Masterclass, wo er anschaulich seine Produktionsweise teilt und man mit ihm in den Dialog gehen kann.
Kay: Uns interessiert immer auch der Kontext hinter der Musik. Artists wie Works Of Intent stehen für eine neue Generation, die housige bzw. elektronische Themen auf ihre eigene Weise weiterentwickelt.
Gleichzeitig haben wir bei anderen Veranstaltungen auch Artists aus anderen Genres eingeladen, die schon lange Teil der Szene sind – etwa Alan Oldham, der für Detroit Techno par excellence steht. Solche Begegnungen zwischen unterschiedlichen Generationen und Perspektiven finden wir spannend.
RTP: Die Clubnacht am 14. März ist donation-based. Warum habt ihr euch für dieses Modell entschieden?
Evi Barton: Weil wir den Zugang so niedrigschwellig wie möglich halten wollen. Jede Person soll die Möglichkeit haben, diese Musik zu erleben, unabhängig davon, wie viel Geld sie gerade zur Verfügung hat.
Kay: Natürlich bedeutet das auch ein gewisses Risiko. Man hat Kosten für Artists, Technik und Venue. Aber wir machen das aus Überzeugung. Wenn sich das finanziell nicht vollständig trägt, dann ist das im Moment so. Wir investieren lieber Zeit und Energie in solche Veranstaltungen, als zum Beispiel in den Urlaub zu fahren.

CONNÆKT @ FLUCC (Deck), Wien

Masterclass & Club Night
Mit dem Format CONNÆKT verbinden Kay & Evi Barton musikalische Erfahrung, Wissenstransfer und Clubkultur.
Der Abend beginnt mit einer Masterclass mit Works of Intent und Pasco Berma vom SAE Institute, gefolgt von einer donation-based Club Night.
📍 Ort: FLUCC Club (Deck), Wien
📅 Datum: Sa, 14. März 2026
MASTERCLASS powered by SAE Institute Wien
Zeit: 21:00 – 22:30
Einlass: ab 20:45
Sessions:
► Works Of Intent – Making Big Tunes for Big Rooms
► Pasco Berma (SAE Institute Wien) – Modern Production Techniques in Ableton Live
CONNÆKT. Club Night
Zeit: 23:00 – 06:00
Eintritt: auf Spendenbasis (pay what you can)
Line-up:
► Works Of Intent // Rekids · COD3 QR · Monkeytown · Time Passages
► Elah
► Kay Barton // TRENDWÆNDE · Trapez
Next up: TRENDWÆNDE und neue Projekte
RTP: Was kommt als Nächstes bei euch und bei TRENDWÆNDE?
Kay: Für den Herbst planen wir bereits die nächste Veranstaltung. Außerdem arbeite ich aktuell an einem neuen Album… schon seit gefühlt einer Ewigkeit.
Evi: Und natürlich möchten wir das CONNÆKT-Format weiterentwickeln. Der Austausch zwischen Artists, Publikum und Szene ist für uns ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit.
Ehrenamt bei Rave The Planet
RTP: Kay, zum Abschluss: seit Anfang 2025 bist du ehrenamtlich bei Rave The Planet als Online-Redakteur aktiv. Warum dieses Engagement?
Kay: Weil ich es gespürt habe. Ich war 2022 bei der ersten Rave The Planet Parade dabei – einfach als Besucher, ohne To-dos. Und diese Energie, diese positive Atmosphäre und diese Mischung aus Feier und Haltung haben mich wirklich berührt. Danach war für mich klar: Wenn ich die Möglichkeit habe, dieses Projekt zu unterstützen, dann mache ich das.
RTP: Rave The Planet versteht sich auch als kulturpolitische Demonstration. Welche Bedeutung hat das für dich?
Kay Barton: Eine große. Gerade in einer Zeit, in der viele Konflikte und Krisen existieren, ist eine friedliche Zusammenkunft von Menschen aus unterschiedlichen Hintergründen etwas sehr Wertvolles.
Diese Verbindung aus Musik, Gemeinschaft und politischem Ausdruck ist wichtig. Auch wenn manche Menschen vielleicht zuerst die Party sehen – die Botschaft dahinter bleibt relevant.
RTP: Danke Kay und Evi, für das inspirierende Gespräch.

Schnelles über Kay Barton zum Schluss
Selbstbeschreibung (in einem Wort): authentisch
Sound den ich außerhalb von Techno mag: Wave, Synth-Pop, Indie
Kann ich richtig gut: mich begeistern
Kann ich überhaupt nicht: Nichtstun
Mag ich: Liebe, Frieden und aufrichtige Gemeinschaft
Mag ich nicht: Hass, Egoismus und Opportunismus
Ich würde gern mal zusammenarbeiten mit: Stefan Kozalla (Koze)
Wichtigstes Engagement außerhalb von Veranstaltungen und Rave The Planet: Interkulturelles B2B mit Indien
Was ich der Welt mitteilen möchte: Eine wertschätzende und in Frieden lebende Welt und Wertegemeinschaft muss keine Utopie sein.
Schnelles über Evi Barton zum Schluss
Selbstbeschreibung: Begeisterungsfähigkeit
Sound den ich außerhalb von Techno mag: House, Ambient aber auch Oper
Kann ich richtig gut: Verantwortung übernehmen und mich mit voller Überzeugung für das engagieren, was ich tue.
Kann ich überhaupt nicht: Dinge liegen lassen
Mag ich: Aufrichtigkeit, echte emotionale Verbindung
Mag ich nicht: Ignoranz, Respektlosigkeit, Ausbeutung, Opportunismus
Ich würde gern mal zusammenarbeiten mit: Kittin
Wichtigstes Engagement außerhalb von Veranstaltungen und Rave The Planet: verantwortungsvolle Entwicklung und Etablierung therapeutischer Konzepte mit veränderten Bewusstseinszuständen
Was ich der Welt mitteilen möchte: Wir sind eins und füreinander verantwortlich, also begegnet euch mit Respekt, Achtsamkeit und Rücksicht.