Musikalische Bildung neu denken: Warum Technokultur Teil der Lösung ist
Rave The Planet bei Kongress des Deutschen Musikrats
Am 25. und 26. März 2026 fand an der Universität der Künste Berlin (UdK) der Kongress „Musikalische Bildung im Ökosystem Musik“ des Deutschen Musikrats statt. Zwei Tage, die klar gemacht haben: Musikalische Bildung steht unter Druck – und gleichzeitig vor einer notwendigen Neuausrichtung.
Rave The Planet war Teil dieser Debatte. Vertreten durch unseren ehrenamtlichen Geschäftsführer Dr. Motte haben wir bereits zur Eröffnung des Kongresses einen entscheidenden Impuls gesetzt: Technokultur gehört in den Diskurs über musikalische Bildung.
Ein Kongress zwischen Krise und Aufbruch
Der Kongress war ausverkauft. Vertreter:innen aus Musikpädagogik, Kulturpolitik und Institutionen kamen zusammen, um eine zentrale Frage zu diskutieren: Wie kann musikalische Bildung heute gerecht, zugänglich und zukunftsfähig gestaltet werden?
Die Ausgangslage ist klar: Studien wie MiKADO (Auswertung) und MULEM zeigen einen massiven Fachkräftemangel in musikpädagogischen Berufen. Gleichzeitig sinkt vielerorts der Zugang zu musikalischer Bildung.
Dabei ist ihre gesellschaftliche Bedeutung unbestritten. Musik stärkt Teilhabe, fördert soziale Bindungen und ist ein zentraler Bestandteil demokratischer Kultur.
+++ UPDATE: Das ganze Panel jetzt auf YouTube! +++
Hinweis: Für eine barrierefreie Nutzung können auf YouTube Untertitel aktiviert werden.
Panel: „Zum Stand der Musikalischen Bildung“
Die zentrale Diskussion zur Eröffnung brachte Perspektiven aus Wissenschaft, Bildungspolitik und Praxis zusammen.
TEILNEHMENDE:
- Prof. Dr. Michael Dartsch
Vorsitzender Föderation musikpädagogischer Verbände - Prof. Dr. Rebekka Hüttmann
Vizepräsidentin Universität der Künste Berlin - Marcus Kauer
KMK Bildungskonferenz / Leitung Fachreferat und Büro Kulturelle Bildung Hessisches Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen - Dr. Motte
DJ & Musiker / ehrenamtlicher Geschäftsführer rave the planet gGmbH - Prof. Dr. Anne Niessen
Hochschule für Musik und Tanz Köln - Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt
Präsident Bundesverband Musikunterricht
Als „Critical Friend“ im Publikum: Prof. Dr. Thomas Busch
(Eine Rolle, die gezielt externe Reflexion einbringt, mögliche blinde Flecken adressiert und die Diskussion schärft.)
Technokultur im Diskurs: Ein notwendiger Perspektivwechsel
Die Diskussion war geprägt von einem hohen Konsens: Musikalische Bildung muss breiter gedacht werden. Genau hier setzte unser Beitrag an.
Dr. Motte brachte eine Perspektive ein, die im klassischen musikpädagogischen Kontext oft fehlt: Urbane Musikgenres, für die auch die Technokultur steht, als eigenständige, relevante und gesellschaftlich wirksame Form musikalischer Praxis.
Denn die Realität ist eindeutig: Viele junge Menschen machen ihre ersten musikalischen Erfahrungen nicht mit Geige oder Klavier, sondern mit Apps, Software, Controllern und digitalen Produktionsumgebungen.
Elektronische Musikproduktion – etwa über Digital Audio Workstations (DAWs) – ist längst ein zentraler Zugang zur Musik. Diese Realität muss sich auch in Bildungsstrukturen widerspiegeln.
Zugang statt Ausschluss: Warum Vielfalt entscheidend ist
Ein zentrales Problem wurde im Panel mehrfach benannt: Musikalische Bildung erreicht viele junge Menschen nicht mehr. Die Gründe sind vielfältig:
- strukturelle Hürden
- fehlende Ressourcen
- geringe Anschlussfähigkeit an Lebensrealitäten
Die Öffnung hin zu urbanen Kulturformen ist kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für Relevanz. Technokultur bietet genau hier Potenzial:
- niedrigschwelliger Zugang
- digitale Werkzeuge statt teurer Instrumente
- kollektive, inklusive Praxis
Kurz gesagt: Wer musikalische Bildung stärken will, muss anerkennen, wie Musik heute tatsächlich entsteht.
Forschung zum Kulturerbe Techno: Ein nächster Schritt
Ein wichtiger Impuls aus unserem Beitrag ging über die Paneldiskussion hinaus:
Rave The Planet arbeitet aktuell gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Pasdzierny (UdK Berlin, rechts im Bild) und Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt (Universität Heidelberg) am Aufbau einer Forschungsstelle zum Kulturerbe Techno an der UdK Berlin.
Ziel ist es, Technokultur systematisch zu erforschen:
- historische Entwicklungen elektronischer Musik
- gesellschaftliche und politische Kontexte
- kulturelle und soziale Wirkung
Damit wird ein Bereich wissenschaftlich erschlossen, der bislang oft marginalisiert wurde – obwohl er Millionen Menschen prägt.
Weitere Informationen dazu veröffentlichen wir in Kürze hier auf unserer Website.

Dokumentation und Transparenz
Das gesamte Panel wurde von unseren ehrenamtlichen Content Creators Nora-Sophie Lübchen und Sebastian Petrungaro aufgezeichnet.
Die vollständige Diskussion wird zeitnah auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht.
Für uns ist das mehr als Dokumentation: Es ist Teil unseres Auftrags, kulturelle Prozesse sichtbar zu machen und öffentlich zugänglich zu halten.
Unsere Arbeit braucht Unterstützung
Musikalische Bildung, kulturelle Teilhabe und die Zukunft unseres Kulturerbes passieren nicht von selbst. Sie entstehen durch kontinuierliche Arbeit – und durch Menschen, die sie ermöglichen.
Durch unsere Initiative ist die Technokultur in Berlin seit 2024 als Immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt – ein wichtiger Erfolg, den wir gemeinsam mit vielen Akteur:innen aus der Szene erreicht haben.
Doch Anerkennung ist kein Endpunkt.
Sie ist ein Auftrag.
Als Trägergruppe arbeiten wir daran, dieses Kulturerbe aktiv weiterzuentwickeln: durch Bildungsarbeit und Wissensvermittlung, durch Forschung zur Geschichte und gesellschaftlichen Wirkung von Technokultur, durch öffentliche Formate, kulturelle Projekte und politische Arbeit.
✔︎ Damit dieses Wissen nicht verloren geht, sondern zugänglich wird.
✔︎ Damit Technokultur sichtbar bleibt.
✔︎ Damit sie ihren Platz in Bildung, Forschung und Gesellschaft dauerhaft behaupten kann.
Diese Arbeit braucht verlässliche Strukturen – von Konzeption und Kommunikation bis zur konkreten Umsetzung von Projekten.
Rave The Planet ist eine gemeinnützige Organisation. Das heißt: Unsere Arbeit finanziert sich nicht selbst, sondern durch Unterstützung.
Mit deiner Spende hilfst du uns, Technokultur nicht nur zu bewahren, sondern Wissen zu vermitteln, Forschung anzustoßen und konkrete Projekte möglich zu machen.