Neue Demo-Forderung
Menschliche Kreativität braucht Schutz vor KI
Künstliche Intelligenz ist längst kein Zukunfts-Experiment mehr, sondern mitten in der Gegenwart unserer Musikwelt angekommen. Was vor ein paar Jahren noch nach Sci-Fi klang, ist heute Alltag: KI-Tools, die Tracks produzieren, Sounds generieren, Stimmen imitieren oder Samples kombinieren, ohne dass ein Mensch dahinter saß. Für einige mag das technisch faszinierend sein – für die Menschen, die Musik machen, atmen und leben, ist das eine existenzielle Herausforderung.
Bei der Rave The Planet Parade – IMAGINE LOVE geht es nicht nur um Tanz, Musik und Gemeinschaft. Es geht um eine Kultur, die Menschen stärkt und Räume schafft – für Kreative, Nachtleben, Clubs, Labels und all jene, die diese Kultur tragen.
Darum ist unsere neue Forderung „Schutz menschlicher Kreativität sowie eine verpflichtende, transparente und angemessene Vergütungsregelung bei jeder KI-basierten Nutzung künstlerischer und kultureller Werke“ ein klares kulturpolitisches Statement für die Zukunft.
Die Flut der KI-Musik – und was sie bedeutet
Streamingplattformen melden Zahlen, die rasant steigen: Allein auf Deezer werden inzwischen täglich rund 50.000 vollständig KI-generierte Songs hochgeladen (Stand: November 2025). Zum Vergleich: Im September 2025 waren es noch etwa 30.000 pro Tag. Damit stammt inzwischen mehr als ein Drittel aller neu eingestellten Titel nicht mehr von menschlichen Künstler:innen, sondern wird vollständig von KI-Programmen erzeugt.
Einige dieser Uploads stecken voller Betrugsversuche: Deezer identifiziert einen erheblichen Anteil der KI-Streams als manipuliert und schließt sie aus der Monetarisierung aus.
Hinzu kommt: 97 % der Hörer:innen können KI-Musik nicht mehr von menschlicher unterscheiden, selbst wenn sie bewusst zuhören. (Ipsos-Studie)
Das mag harmlos klingen – ist es aber nicht. Wenn die Masse der Musik automatisch und ohne menschliche Arbeit entsteht, verschiebt sich die Wertschöpfung dramatisch, und mit ihr die Einkommenschancen für echte Artists.
Warum das für Künstler:innen & Kulturschaffende gefährlich ist
Auch wenn KI-Musik heute noch den geringeren Teil der tatsächlich abgespielten Musik ausmacht, stammt ein wachsender Teil des Angebots aus künstlicher Produktion – und dieser Anteil kann zunehmend die Einnahmen verteilen, die sonst an Menschen gehen würden. Plattformen wie Spotify oder Deezer zahlen Künstler:innen basierend auf Streaming-Leistung – doch wenn KI-Tracks diese Streams absorbieren, ohne dass Menschen daran verdienen, schrumpft der Kuchen für alle.
Gerade unabhängige Labels, Solo-Artists oder kleine Produzent:innen leben davon, dass jeder Stream, jeder Download, jede Playlist-Platzierung zählt. Wenn der Markt aber von KI-Generationen überschwemmt wird, geraten diese Einnahmen unter Druck. Das betrifft nicht nur Einzelpersonen – es trifft die ganze Infrastruktur, die Musik überhaupt erst möglich macht.
Verbindung zur Technokultur & dem Clubkosmos
Für uns als Raver:innen und Kulturschaffende ist Musik mehr als ein Produkt. Sie ist Ausdruck, Identität, soziales Miteinander und – ja – unsere gemeinsame Sprache. Technokultur ist gewachsen in Räumen, in denen Menschen zusammenkamen, sich austauschten und gemeinsam Kreierten und etwas Neues schufen. Clubs sind nicht nur Tanzorte, sondern soziales Gefüge, wirtschaftliche Akteur:innen und Orte der Selbstfindung.

Doch diese Räume sind längst unter Druck. In Berlin, einer der globalen Hochburgen der Technokultur, mussten etablierte Clubs wie Watergate Ende 2024 schließen – Opfer steigender Kosten, veränderter Nachfrage und struktureller Herausforderungen. Parallel berichteten Medien über das allgemeine Clubsterben, das in den letzten Jahren durch steigende Mieten, Energiepreise und andere ökonomische Faktoren beschleunigt wurde.
Wenn die Einnahmen für Künstler:innen weiter sinken, Labels sich schlechter refinanzieren und Clubs ohnehin am Limit operieren, dann wird aus einer Krise schnell eine Existenzfrage:
Wer kann sich noch Musik leisten?
Wer kann noch kreative Räume öffnen?
Und wer hält die Kultur am Leben?
Worum geht’s bei der Forderung also genau?
Mit unserer neuen Forderung setzen wir einen klaren Fokus auf menschliche Kreativität und faire Vergütung – gerade dort, wo KI zum Einsatz kommt. Konkret bedeutet das:
- Schutz menschlicher Kreativität vor arbiträrem Einsatz in KI-Modellen
- Transparenz darüber, wie und mit welchen Daten KI trainiert wird
- Faire Vergütungsregelungen, die sicherstellen, dass Kreative für die Nutzung ihrer Arbeiten auch bezahlt werden
Das mag technisch klingen, ist aber kulturell fundamental: Ohne fairen Ausgleich verliert die Musikkultur eine ihrer zentralen Säulen – diejenigen, die Musik schaffen, dürfen nicht aus dem Wertschöpfungsprozess herausfallen.

LESETIPP: Artikel zum Thema „The AI Licensing Shift“ auf www.digitalmusicnews.com
Wie diese Forderung entstanden ist
Die neue Forderung wurde vom AI Think Tank Berlin beigesteuert – auf konkrete Anfrage von Rave The Planet.
Ausgangspunkt war die Einschätzung, dass die Debatte um Künstliche Intelligenz und Musik nicht länger abstrakt geführt werden darf, sondern klare, verständliche und umsetzbare Leitplanken braucht.
Der AI Think Tank Berlin – organisiert von Paradise Worldwide, AIxchange, AFEM, Fraunhofer IDMT und Music Tech Germany und gehostet vom Cambridge Innovation Campus (CIC) Berlin – vereint Expert:innen aus Musik, Technologie, Recht und Kulturpolitik.
Alle Forderungen der Rave The Planet Parade im Überblick.
Warum das zu „Imagine Love“ passt
Unser Parade-Motto 2026 „IMAGINE LOVE“ steht für mehr als gute Vibes, laute Musik und tanzen auf der Straße – es ist ein politisches Bekenntnis zu Solidarität, Verantwortung und dem Schutz unserer Kultur im öffentlichen Raum:
Respekt – vor Menschen, die Kultur schaffen
Solidarität – mit Künstler:innen, Clubs und kreativen Communities
Achtsamkeit – dort, wo Technologie auf menschliche Kreativität zugreift
Liebe ist nicht nur ein Gefühl – sie ist Handlung. Sie zeigt sich darin, wie wir miteinander umgehen – ob wir wertschätzen, was wir hören, und wem wir dafür den verdienten Lohn geben.
Indem wir diese Forderung in unsere Liste aufnehmen, machen wir klar: Liebe heißt nicht Ausbeutung, nicht Datenklau und nicht Profit auf Kosten kreativer Arbeit. Sie heißt faire Bedingungen für die Menschen, die unsere Kultur überhaupt erst möglich machen.
Quellen & weiterführende Links
Deezer berichtet von täglich rund 50.000 KI-Tracks, die pro Tag hochgeladen werden – www.djmag.de
Deezer identifiziert und demonetarisiert große Anteile von KI-Streams als betrügerisch – www.delamar.de
Studie: 97 % der Hörer:innen erkennen KI-Musik nicht – www.musikexpress.de
Wandel in der KI-Lizenzierung: Creative Weight Attribution als Gamechanger für Rechteinhaber:innen – www.digitalmusicnews.com