Team-Interview: Nadine, Leiterin Eco-Team
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Müll sammeln, Clean-ups organisieren, beim großen Tag dafür sorgen, dass der Tiergarten nicht im Chaos versinkt – das klingt vielleicht erst mal nicht nach Techno, ist aber unverzichtbar, wenn Zehntausende zusammenkommen. Wo gehobelt wird, fallen Späne – oder besser gesagt: wo Massen zusammenkommen, da entsteht (leider) Müll. Und der muss wieder weg oder, noch besser, sollte idealerweise gar nicht erst entstehen.
Genau dafür gibt’s ein Team aus engagierten Helfer:innen, die dafür sorgen, dass aus Euphorie schlussendlich kein buchstäblicher Scherbenhaufen wird. Eine von ihnen – verantwortlich für Planung, Organisation und auch das Schärfen von Umweltbewusstsein – ist Nadine. Sie koordiniert Freiwillige, plant Aktionen und vermittelt den Spirit des verantwortungsvollen Demonstrierens. Dabei zeigt sie: elektronische Musik und Umweltschutz passen perfekt zusammen.
Wir haben Nadine getroffen und mit ihr über Motivation, Herausforderungen und besondere Momente gesprochen.
„Raven ja – aber bitte verantwortungsvoll!“ Mit Female Power für Nachhaltigkeit bei Rave The Planet
RTP: Hallo Nadine! Super, dass du Zeit für einen Talk finden konntest, danke dafür! Heute soll es um die überaus wichtigen Themen Umwelt und Umweltschutz bei Rave The Planet gehen und inwieweit du und dein Team dabei helft. Machst du das eigentlich schon von Beginn an?
Nadine: Bei mir ist es noch recht frisch. Ich bin seit diesem April Teil des Eco-Teams.

RTP: Und du stehst auf elektronische Musik…? (lacht)
Nadine: Ja, aber für mich ist sie auch gesellschaftliche Entwicklung in einer stärker vereinten, respektvollen und offenen Gemeinschaft. Mit der zunehmenden Globalisierung sehe ich, dass diese Art von Musik eine besondere Verbindung zwischen lokalen und internationalen Klängen schafft, und gleichzeitig eine Möglichkeit ist, den Menschen verschiedene Kulturen der Welt näherzubringen. Ich denke auch, dass sie eine Art ist, eine Idee zu erzeugen und zu teilen, die nicht einfach “serviert” wird, sondern den Empfänger einlädt, selbst Teil der Botschaft zu werden.
RTP: Das hast du sehr schön und deep auf den Punkt gebracht. Was waren denn deine ersten Berührungspunkte mit Musik und der Szene?
Nadine: Meine ersten Erinnerungen sind die Platten von Jean-Michel Jarre, die mein Vater sehr mochte, da war ich so 5 oder 6 Jahre alt. Über Rock und Punk bin ich dann zur elektronischen Musik gekommen. Besonders in Argentinien habe ich die Szene als sehr respektvoll erlebt. Es geht nicht nur ums Feiern, sondern darum, gemeinsam eine Idee zu teilen und Teil einer großen Botschaft zu werden.
RTP: Okay, blicken wir mal auf deine Arbeit bei uns. Was genau ist die Idee hinter dem Eco-Team?
Nadine: Wir verfolgen eigentlich zwei Ziele. Auf der einen Ebene wollen wir Bewusstsein schaffen: Wie nutzen wir den Raum beim Raving und wie gehen wir mit ihm um? Auf der anderen Ebene geht es ganz praktisch darum, zu zeigen, dass Techno keine Wegwerf-Kultur ist. Jede*r kann Verantwortung übernehmen – auch indem man einfach seinen eigenen Müll entsorgt. Dieses Jahr habe ich zum Beispiel erlebt, dass Leute ihren Müll in eigene Säcke gesammelt und ordentlich am Rand abgestellt haben. Das sind kleine, aber wichtige Zeichen und zeigt, dass die Botschaft bei der Community zu mehr Verantwortungsbewusstsein führt.
RTP: Was fällt denn alles in deinen Aufgabenbereich?
Nadine: Dieses Jahr haben wir das gesamte Clean-up-Konzept neu gedacht. Das heißt viel Recherchearbeit, E-Mails, Gespräche, Brainstormings, Terminfindungen. Wir organisieren drei große Clean-ups im Jahr: im April, direkt nach der Demo und im November rund um den Black Friday. Und natürlich koordinieren wir Aktionen am Paradetag selbst.
RTP: Wie ist denn euer Team prinzipiell organisiert und wie sind die Aufgaben verteilt?
Nadine: Ich arbeite eng mit dem restlichen RTP-Team zusammen, aber ohne Ellen Dosch-Roeingh und Verena im RTP-Team wäre vieles nicht möglich – die sind superwichtig in Sachen Info und Support. Ich übernehme eher Recherche und Planung, während andere im Team hands-on bei den Aktionen unterstützen. Am Ende greifen wir wie Zahnräder ineinander.

RTP: Kannst du vielleicht mal ein wenig zusammenfassen, wie ihr alles plant und wie Ökologie und Umweltschutz dann umgesetzt werden bzw. welche Aktionen wann und wie ausgetragen werden?
Nadine: Klar, also im Mai 2025 habe ich die Rolle der Leiterin des Eco-Teams übernommen. Unser erstes Clean-up war tatsächlich das größte des Jahres, da es nach der Demo stattfindet. Wir haben schon mehrere Monate im Voraus mit der Planung begonnen und Freiwillige zur Mitarbeit aufgerufen. Auch die Abstimmung mit Partnern sowie die Organisation der Materialien gehören zu den wichtigen Aufgaben.

Drei große Clean-Up-Aktionen im Jahr
RTP: Und welchen typischen Herausforderungen begegnest du so im Prozess?
Nadine: Eine große Herausforderung ist einzuschätzen, wie viel Material – also Mülltüten, Greifzangen, Handschuhe und Warnwesten – für jede Aktion benötigt wird, da wir ja keine vorherige Anmeldung verlangen. Beim letzten Clean-up waren es mehr Freiwillige als erwartet – super, aber wir hatten plötzlich zu wenige Müllsäcke und Greifzangen. Ein Luxusproblem, aber trotzdem eine Herausforderung.

RTP: Was machst du am Veranstaltungstag selbst?
Nadine: Wir begrüßen die Teilnehmenden, geben Material aus und teilen sie in Teams ein. Diese Teams sind so organisiert, dass sie verschiedene Bereiche des Parks abdecken. Wir stehen währenddessen in engem Kontakt mit den Teamleitungen und dem Kernteam von Rave The Planet, falls in einem bestimmten Bereich Unterstützung benötigt wird. In diesem Jahr hatten wir Fahrräder, mit denen wir schnell zwischen den Sammelstellen unterwegs sein konnten. Wir bleiben den ganzen Tag in Kontakt mit den Teamleitungen und mit RTP, falls irgendwo Unterstützung gebraucht wird.
RTP: Verstehe. Hat sich denn prinzipiell aus deiner Sicht das Umweltbewusstsein in der Szene verändert oder gibt es neue oder andere Ansätze bzw. Bedürfnisse bei der Parade?
Nadine: Umweltbewusstsein ist bei der Parade eher ein Nebenthema, da der Fokus woanders liegt – was völlig in Ordnung ist, da es ja auch Paraden gibt, die speziell Nachhaltigkeit und Umweltschutz in den Mittelpunkt stellen. Ein wichtiger Meilenstein bei unserer Demo ist jedoch das Pfandsystem sowie das Verbot von Einwegplastikbechern. Ebenso entscheidend ist der einfache Zugang zu Pfand-Sammelstellen und Mülleimern. Darüber hinaus ist ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung des Tiergartens als Biotop und für seinen Schutz von großer Bedeutung, damit die Menschen achtsamer mit diesem Ort umgehen.
Förderung von Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Kultur

RTP: Und wie hat dich die Arbeit bei uns hinsichtlich Musik, Gemeinschaft und Umweltschutz bzw. Nachhaltigkeit persönlich verändert?
Nadine: Ich hatte nicht erwartet, dass eine gemeinnützige Organisation mit Fokus auf Technokultur auch einen Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit legt. Und umso mehr freut es mich, dass diese wichtigen gesellschaftlichen Themen zusammenwirken können, um eine nachhaltigere Stadt und Kultur zu fördern.
RTP: Gibt‘s irgendwas Verrücktestes oder Lustiges, das dir z. B. mal während eines Clean-ups passiert ist?
Nadine: Ist jetzt vielleicht nicht verrückt oder lustig, aber etwas, das mich wirklich beeindruckt hat, war die große Zahl an Menschen, die am Brandenburger Tor vorbeikamen und sich spontan entschieden mitzumachen, als sie bemerkten, dass gerade ein Clean-up-Event startete. Das fand ich ein wunderbares Zeichen von Gemeinschaft und der Bereitschaft, sich einzusetzen, um die Umwelt zu unterstützen.
RTP: Das ist der Spirit! Finale Frage zum Abschluss: Welche Erfahrungen in deiner Arbeit oder auch bei den Paraden sind für dich ganz besonders?
Nadine: Die Offenheit der Personen, die die Organisation aktiv mitgestalten, und die Freundlichkeit der Menschen während der Parade.
Schnelles über Nadine zum Schluss
Selbstbeschreibung: Loyal
Sound: Melodic House & Techno, Ambient, aber auch Cuarteto (argentinische Tanzmusik) und International Rock
Kann ich richtig gut: Zuhören, Backen
Kann ich überhaupt nicht: Scharfes Essen vertragen – das ist mein Kryptonit
Mag ich: Malen mit Aquarellfarben
Mag ich nicht: Schwarz-Weiß-Filme
Wichtigstes Engagement und Aktivität in der Szene außerhalb von Rave The Planet: Meiner Hündin ein bestmögliches Leben schenken
Was du der Welt mitteilen möchtest: Alone you go fast, together you go far.
Autor: Kay Barton, Rave The Planet Onlineredaktion